Sonntag, 29. Januar 2012

»Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv«

Landesausstellung 9.12.2011– 8.6.2012, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle


(Presseinfo:lda.mk.sachsen-anhalt) Vom 9. Dezember 2o11 bis 8. Juni 2o12 beherbergt das Landesmuseum für Vorgeschichte die größte und umfassendste Pompeji-Ausstellung der letzten Jahre. Auf einer Fläche von ca. 1.3oo m² werden ca. 5oo Exponate bzw. Exponatkomplexe präsentiert, 25 leihgebende Insitutionen aus dem In- und Ausland trugen zum Gelingen der Präsentation bei. Das neuartige Konzept der Ausstellung wurde eigens für die Präsentation des Landesmuseums entwickelt und ermöglicht in verschiedener Hinsicht einen ganz neuartigen Blick auf die verschütteten Stätten am Vesuv.

Prächtige Rauminstallationen, Statuen, Alltagsgegenstände verschiedenster Art erwecken die Stätten am Vesuv zu neuem Leben. Spektakuläre Exponate, wie einer der berühmten bronzenen Läufer aus der Villa dei Papiri von Herculaneum, stehen neben Objekten, die durch Ausgrabungen erst der jüngsten Vergangenheit zu Tage kamen und erstmals außerhalb Italiens zu sehen sind. Teilweise wurden die Exponate auch letztmalig ins Ausland verliehen, bevor sie in Italien eine dauerhafte Heimstatt finden.

Im Februar des Jahres 1766 bestieg Fürst Franz von Anhalt-Dessau im Rahmen seiner »Grand Tour« den Vesuv und besichtigte Pompeji und Herculaneum, keine 2o Jahre, nachdem dort reguläre Ausgrabungen aufgenommen worden waren. Die Eindrücke des Fürsten fanden später unmittelbaren Eingang in sein Dessau-Wörlitzer Gartenreich: in der Ausstattung von Schlössern, der Nachahmung der Villa Hamilton und – noch heute ein einzigartiges Highlight – in der Nachbildung des Vulkans Vesuv, der nach wie vor zu besonderen Anlässen zum Ausbruch gebracht werden kann. Die Antikenrezeption nördlich der Alpen war geboren. Nun sind die Stätten am Golf von Neapel zu Gast in Halle. Seit Jahrtausenden besiedeln Menschen die fruchtbaren Hänge und Ebenen am Golf von Neapel, eine Landschaft, über die sich allgegenwärtig der Vesuv erhebt. Lebensspuren aus mehreren Jahrtausenden zeigen, wie sehr das Leben am Fuße des Vulkans in dieser Zeit stets auch von Naturkatastrophen geprägt war – ein Aspekt, dem hier erstmals diachron nachgegangen wird.

Ein Vesuvausbruch der Zeit um 1.9oo v. Chr. verschüttete das bronzezeitliche Dorf von Nola. Seine Bewohner konnten rechtzeitig fliehen und hinterließen dabei Fußabdrücke, die nun in Halle zu sehen sind. Die künstlichen Inseln der Feuchtbodensiedlung von Poggiomarino – eine Art »vorgeschichtliches Venedig« – fielen den Naturgewalten mehrfach zum Opfer und wurden schließlich um 7oo v. Chr. aufgegeben. Weitere Verwüstungen verursachte im 8. Jh. v. Chr. ein auf der Insel Ischia aktiver Vulkan. Bei Punta Chiarito wurden die Reste eines von diesem Ereignis zerstörten Hauses entdeckt. Im gleichen Grabungsareal hat sich außerdem das komplette Inventar eines eisenzeitlichen Fischerhauses erhalten, das im 6. Jahrhundert v. Chr. von einem Erdrutsch unter Geröllmassen begraben wurde. Zusammen mit einem Fresko aus der Basilika von Cimitile – der ältesten christlichen Wandmalerei außerhalb Roms –, die bei einem Vulkanausbruch im Jahr 472 n. Chr. verschüttet wurde, verdeutlicht diese Reihe, dass auch die große und bekannte Zerstörung Pompejis, Herculaneums und weiterer Städte 79 n. Chr. kein Sonderfall, sondern »nur« eine in einer ganzen Reihe von wiederkehrenden Verwüstungen ist.

Dass eine solche die Region am Golf von Neapel auch heute noch bedroht, ist ein Aspekt, der ebenfalls thematisiert wird. So geht die zentrale Installation im Atrium des Landesmuseums der Frage nach, was wohl Archäologen der Zukunft nach einem weiteren Ausbruch des Vesuvs finden würden. Verschiedene »echte« Funde aus der Antike sind hierzu zeitgenössischen Objekten gegenübergestellt, der Beinschiene eines Gladiators beispielsweise ein Paar Schienbeinschoner des SSC Napoli – natürlich nicht in unversehrtem Zustand. Im Zentrum des Atriums jedoch steht ein prächtiger Bankettraum aus Moregine. Die rot gehaltenen, originalen Wände, die letztmalig außerhalb Italiens zu sehen sind, zeigen Apollon und die Musen und bilden den Hintergrund zur Erläuterung des antiken Banketts, das für die Römer der Antike von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung war und das hier anhand verschiedener Objekte und Wandmalereien veranschaulicht wird. Über all dem ist in einer Projektion an die Decke des Atriums der Vulkan stets gegenwärtig.

Einen weiteren zentralen Bestandteil des Ausstellungskonzeptes bildet das Alltagsleben in der antiken Stadt Pompeji, das im Jahr 79 n. Chr. so abrupt beendet wurde. Um dieses in all seinen Aspekten beleuchten zu können, wird erstmals ein konkret ausgegrabener, erhaltener Haushalt in den Mittelpunkt gestellt, wie er in einer solchen Fülle noch nie außerhalb Italiens zu sehen war: die Casa del Menandro, eines der größten repräsentativen Häuser der Stadt Pompeji. Rund um das Korkmodell der Insula, der zentralen Installation in diesem Raum, gruppieren sich verschiedenste Objekte aus dem Inventar des Hauses. Das Spektrum reicht von Transportamphoren über Möbelbeschläge bis hin zu einem prächtigen Schatz aus Silbergefäßen und Schmuckstücken, der im Keller des Hauses gefunden wurde. Repräsentation und Wohlleben werden auch im Obergeschoss der Ausstellung thematisiert. Exquisite Bronzestatuen des Gottes Apollo und verschiedener Tiere, die zugleich als Wasserspeier dienten und aus dem Garten des sog. Hauses des Kitharaspielers stammen, begrüßen den Besucher und lenken den Blick weiter auf die zentrale Rauminstallation, dem Eingang zum Stockwerk gegenüber: die originalen Wandmalereien aus dem Gartentriclinium des sog. Hauses des Goldenen Armreifs. Sie gehören zu den schönsten erhaltenen Fresken aus Pompeji. In einzigartig lebendiger Weise ist hier ein künstlicher Garten an die Wand gebannt – in einem Zimmer, von dem aus man in der Antike den Blick auf den realen Garten des Hauses genoss. Mi dem Bild des Lebens kontrastieren die Gipsausgüsse der Toten, die ebenfalls aus Pompeji nicht wegzudenken sind: In dem Haus des Goldenen Armreifs wurden mehrere Opfer des Vulkanausbruchs geborgen, eine Frau, ein Mann und zwei Kinder, denen nicht mehr rechtzeitig die Flucht gelungen war, wohl die wohlhabenden Bewohner des Hauses. Dafür spricht der massive, über 6oo g schwere Goldarmreif, den die Frau noch am Arm trug und der ebenfalls ausgestellt wird.

Weiterer Aspekt des pompejanischen Alltags, der wieder aus dem Kosmos des Hauses herausführt, sind die Gladiatorenspiele, die, wie in der römischen Antike allgemein üblich, zur Unterhaltung des Volkes im Amphitheater der Stadt abgehalten wurden. Auf einzigartige Weise wird dieser durch einen Komplex prachtvoller, mit aufwendigen Reliefdarstellungen verzierter Helme und Beinschienen aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji repräsentiert. Die Waffen verdeutlichen die unterschiedlichen Gladiatorengattungen, die nach festen Regeln in der Arena miteinander kämpften. So trat etwa der Retiarius, ein nur leicht Bewaffneter mit Fischernetz und Dreizack, stets gegen den Secutor an, der mit Schild un Schwert sowie einem Helm mit kleinen Augenöffnungen ausgestattet und daher ungleich schwerfälliger war.
Auch weitere Aspekte des Lebens in der antiken Stadt, wie die Entwicklung der Sozialstruktur vor und nach dem verheerenden Erdbeben von 62 / 63 n. Chr., von dem Pompeji sich zum Zeitpunkt des Untergangs noch nicht wieder vollständig erholt hatte, oder auch das Thema Erotik werden selbstverständlich thematisiert.

Den Bogen nach Sachsen-Anhalt schlägt wiederum ein weiterer genuiner Aspekt des Ausstellungskonzeptes. Erstmals wird aufgezeigt, dass Mitteldeutschland auch zur Zeit des Untergangs von Pompeji nicht ohne Verbindungen nach Italien war. Funde aus dem Freien Germanien spiegeln Handels- und möglicherweise auch diplomatische Kontakte wider. So wird zum ersten Mal seit seiner Entdeckung im Jahr 2oo8 das Grab einer reichen Germanin öffentlich ausgestellt, das in einem Urnengräberfeld der frühen Römischen Kaiserzeit bei Profen (Burgenlandkreis) gefunden wurde. Die Frau war standesgemäß auf einem Bärenfell verbrannt und in einer bronzenen Urne beigesetzt worden; nach dem Brand wurde außerdem prächtiger Goldschmuck in die Urne gegeben. Die Fuchsschwanzketten aus dieser Bestattung finden unmittelbare Parallelen im Fundbestand der Vesuvstädte, ebenso wie ein kleines Achatgefäß aus Kleinjena. Zwei Silberbecher aus einem Grab bei Hoby (Dänemark), stellten möglicherweise Geschenke eines römischen Generals an einen Germanen dar, und selbst die berühmte Varusschlacht des Jahres 9 n. Chr. hinterließ in Form einer Münze aus Sanne (Landkreis Stendal) ihre Spur in Sachsen-Anhalt.

Die Wiederentdeckung Pompejis im 18. Jahrhundert und die Protagonisten der Antikenrezeption im Gebiet des ehemals Freien Germanien, Fürst Franz von Anhalt-Dessau und sein Freund, Berater und Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff bilden mit ausgewählten Objekten u. a. aus dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich, den Abschluss des Rundgangs und gewissermaßen einen Ausblick auf die Korrespondenzausstellung, die ab April 2o12 unter dem Titel »Ferne Welt ganz nah – Pompeji im Gartenreich Dessau-Wörlitz« im Gartenreich zu sehen sein wird.

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Rezension des Begleitbandes zur Ausstellung.

Dienstag, 17. Januar 2012

Von der Antike bis zur Neuzeit

Drei neue Bücher zur Rezension

77° Süd,  ein Buch über die Antarktis und ihre Entdecker
Entscheidung am Südpol lautet der Untertitel des Sachbildbandes, der weitaus mehr ist, als nur eine weitere der vielen Darstellungen des Wettlaufs zwischen den Antarktishelden Amundsen und Scott. Weiter zur Rezension.






Steppenkrieger. Reiternomaden des 7. – 14. Jahrhunderts aus der Mongolei
Über Jahrtausende stießen Reiternomaden aus den fernen Steppen Asiens bis nach Europa vor. Aus Sicht der westlichen Welt war es eine bedrohliche Masse, die unter vielen Namen bekannt war. Attilas Hunnen und die Mongolen Dschingis Khans prägten sich tief in das europäische Bewusstsein ein. Aber wer waren diese Menschen, die unter dem Begriff Reiternomaden zusammengefasst werden?
Bisher standen nur wenige archäologische Zeugnisse aus der Lebenswelt der Steppenbewohner des 7. bis 14. Jahrhunderts zur Verfügung. Neue Antworten und Erkenntnisse bieten nun die dank des trockenen Klimas sensationell gut erhaltenen Grabausstattungen ranghoher Verstorbener aus der Mongolei. Die Ausstellung »Steppenkrieger« präsentiert zum ersten Mal in Europa die gefürchteten Reflexbögen sowie Köcher mit Pfeilen und Reitzeug. Kleidungsstücke, u. a. der älteste erhaltene Filzkaftan, und das einzige bisher bekannte frühmittelalterliche Saiteninstrument beleuchten in Kombination mit detaillierten naturwissenschaftlichen und technologischen Analysen der Artefakte bisher kaum bekannte Aspekte der Kultur der eurasischen Steppenvölker. (aus dem Verlagstext)
Infos zur Ausstellung.

Pompeji – Nola – Herculaneum. Katastrophen am Vesuv
Das Dasein im Schatten des Vesuv ist seit je bestimmt von der Gefahr der Naturkatastrophen. Dennoch entstand hier eine faszinierende Kulturlandschaft, die in römischer Zeit prosperierte. Doch der berühmteste Vesuvausbruch im Jahr 79 n. Chr. löschte binnen kürzester Zeit das Leben in den Küstenstädten Pompeji und Herculaneum aus und begrub diese komplett unter einer meterhohen Schicht aus Asche und Bimsstein. Für die Nachwelt wurde so ein unermesslicher Schatz bewahrt, der in einzigartiger Weise Auskunft über Menschen und Alltag in vorgeschichtlicher Zeit und Antike gibt.
Anhand von spannenden Berichten und Bildern hochkarätiger Objekte von der Bronzezeit bis zur Spätantike erweckt das Katalogbuch zur größten Pompeji-Ausstellung in Deutschland die verschütteten Städte zu neuem Leben. (aus dem Verlagstext)
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Samstag, 14. Januar 2012

Entdeckungsreisen in die Geschichte

eine kulturgeschichtliche Artikelserie von Wolfgang Schwerdt

Es sind meist einzelne Ereignisse in der Geschichte, die Anlass dazu geben, kulturgeschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge zu erforschen. Mit der neuen Serie, in der Wolfgang Schwerdt in unregelmäßigen Abständen Ereignisse aus Jahren mit der 12 vorstellt, möchte er dem Leser die Vertiefung des jeweiligen Themas schmackhaft machen.

Die Auswahl der Zahl zwölf bietet sich natürlich aufgrund des aktuellen Jahres, in dem diese Serie entstand, an. Weitaus wichtiger aber als eine "Jubiläumsserie" ist Schwerdt aber die Tatsache, dass die Festlegung auf Ereignisse, die in Jahren mit der 12 stattfanden, einerseits eine gewisse thematische Zufälligkeit garantiert. Andrerseits - und das ist vielleicht der wichtigste Aspekt - erhalten dadurch auch nicht bekannte, weil auf den ersten Blick vielleicht nicht sonderlich spektakuläre Ereignisse, eine Chance, aufgegriffen und vertieft zu werden. Dass sich dabei oft völlig unerwartet für die meisten Leser ganze unbekannte neue Welten eröffnen können, zeigt der Beitrag zum Jahr 712, als dem japanischen Hof das Kojiki, vorgelegt wurde.
Geschichte als Entdeckungsreise, das ist das Ziel, das Wolfgang Schwerdt mit seiner neuen Serie "Spotlights der Geschichte" verfolgt.
Die bislang erschienenen Beiträge können durch einen Klick auf das nebenstehende "Poster" aufgerufen werden.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Vampire, Wiedergänger und Untote

neues Buch aus der Reihe "Kleine Kulturgeschichten" von Wolfgang Schwerdt

Seit Jahrtausenden leben sie mitten unter uns, die Toten. Sie gelten als mörderische Bedrohung, wie die südosteuropäischen Vampire. Sie sind aber auch einflussreiche Mitglieder ozeanischer Gemeinschaften. Die Vorstellung von Verstorbenen als Wiedergänger, als leibhaftige Tote, die in ganz unterschiedlicher Weise in das Schicksal der Lebenden eingreifen, scheint fester Bestandteil der menschlichen Kultur zu sein. Nicht zufällig haben Vampire, Wiedergänger und Untote spätestens seit Bram Stokers "Dracula" in ganz neuer gesellschaftlicher Funktion längst auch unsere moderne Welt erobert. Der Autor begibt sich mit seinem Streifzug durch die Kulturgeschichte auf die Spur der lebenden Toten. Von den omnipräsenten Ahnen im vorzeitlichen „Wohnzimmer“ über wilde Trinkgelage verstorbener Fürsten in bronzezeitlichen Hügelgräbern bis(s) zum Vampirhype unserer Zeit. Dabei begegnet der Leser nicht nur den klassischen Vampiren und Wiedergängern, sondern auch reisenden Mumien oder Dr. Frankenstein und seinen modernen Erben.

Interview mit Wolfgang Schwerdt

Wolfgang Schwerdt
Vampire, Wiedergänger und Untote
Auf der Spur der lebenden Toten
Reihe: Kleine Kulturgeschichten
Auflage: 1
Umfang: 180
Format: 11,5 x 17 cm
Ausstattung: Klappenbroschur
Abb.: 20
ISBN: 978-3-940621-39-9
 Versand: kostenlos




Minisail Classic – historische Schiffsmodelle unter Vollzeug

Der Bau wirklich vorbildgetreuer, schwimmfähiger und steuerbarer Modelle historischer Segelschiffe, ist ein faszinierender Zweig des Modellbaus, der in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts entstand. Mit der Sonderausgabe "Minisail-Classic" widmet sich das Magazin SchiffsModell nun ganz jener Sparte der "Minisail-Bewegung", die sich dem Bau von originalgetreuen, fernsteuerbaren Segelschiffsmodellen verschrieben hat.

Frei fahrende Segelschiffsmodelle, die über ausgeklügelte Windfahnensteuerungen oder andere mechanische Konstruktionen auf Kurs gehalten werden können, entstanden bereits um 1900. Der Bau originalgetreuer Modelle, die vom Modellbauer per Fernsteuerung aktiv gesegelt werden können, ist jedoch erst seit wenigen Jahrzehnten zum schnell wachsenden Teil der organisierten Modellbaukunst geworden.
Begonnen hatte es – wie im Kapitel „Die Basis“ der Sonderausgabe des Magazins SchiffsModell nachzulesen ist -  mit der Initiative des Niederländers Joop Clobus, der im Rahmen des traditionellen Großseglertreffens „Sail Amsterdam“ unter dem Namen Minisail eine internationale Modellbaubewegung ins Leben gerufen hatte. Mit der Gründung der „Minisail-Classic“ im Jahre 2001hatte sich aus der Minisail-Bewegung schließlich auch die Sparte herausgebildet, die sich folgende Ziele gegeben hat:
- Segelschiffe als Modell sollen weitestgehend originalgetreu nachgebaut werden
- die Modelle sollen mit Fernsteuerung gesegelt werden
- alle Aktivitäten sollen gefördert werden, die darauf angelegt sind, Modell- und Originalsegelschiffe zu erforschen, zu rekonstruieren und zu dokumentieren.
Zur vollständigen Rezension von Minisail-Classic

Freitag, 16. Dezember 2011

Per Klick in die Vergangenheit

LWL stellt Inhalt von über 85.000 westfälischen Urkunden ins Internet

Westfalen (Pressemitteilung lwl). Im Rahmen des Kooperationsprojekts "Digitale Westfälische Urkunden-Datenbank" (DWUD) machen der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stiftung Westfalen-Initiative die heute auf viele staatliche, kommunale, private und kirchliche Archive verteilten Quellen insgesamt über 85.000 Urkunden online unter der Webadresse http://www.dwud.lwl.org öffentlich zugänglich. Wer sich bisher einen Überblick über historische Urkunden verschaffen wollte, war gezwungen, viele Orte aufzusuchen. Denn die archivische Überlieferung in Westfalen-Lippe aus dem Mittelalter und der Frühneuzeit ist aufgrund der vielen Kleinstaaten, die sich in der Region seit dem Mittelalter herausgebildet hatten, außerordentlich zerstreut.


Bereits in den 1930er Jahren war von Archivaren der Plan entwickelt worden, über die Archiv- und Bestandsgrenzen hinweg einen Gesamtnachweis aller westfälischen Urkunden zu schaffen. Auf Karteikarten wurden seitdem von den Mitarbeitern der Vorläufereinrichtungen des heutigen LWL-Archivamts für Westfalen so genannte Regesten verfasst, die inhaltliche Zusammenfassungen der Urkunden enthalten, die im Rahmen von Betreuungs- oder Erschließungsarbeiten in die Hand genommen worden waren. Auf diese Weise kamen bis in die 1970er Jahre rund 65.000 chronologisch geordnete Karteikarten aus über 250 Archivbeständen aus ganz Westfalen-Lippe zusammen. "Eine Menge, die man mit traditionellen Mitteln nicht mehr beherrschen konnte. Dies bedeutete das Ende der Arbeiten, und so ruhte dieser große kulturelle Schatz Westfalens seitdem in den Magazinräumen des Archivs", erklärt Projektleiter Dr. Marcus Weidner vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte.
Als neues Modul des Internet-Portals "Westfälische Geschichte", das Service- und Informations-angebote rund um die Geschichte Westfalens bietet, können Interessierte auf diese Regesten nun über das Internet zugreifen. "Der besondere Vorteil liegt darin, dass Interessierte nun gleichzeitig alle in DWUD verfügbaren Archivbestände durchsuchen können - jederzeit und von zuhause aus", so Weidner. DWUD bietet aber nicht nur die digitalisierten Karteikarten, die nach Datum und Archiv aufrufbar sind, sondern auch zehntausende Urkundenregesten, deren Inhalte im vollen Wortlaut durchsucht werden können.

Zahlreiche staatliche, kommunale, kirchliche oder private Archive haben hierfür ihre Urkundenregesten zur Verfügung gestellt, darunter die Mitglieder der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive e.V. und das Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen. Doch Dr. Peter Worm vom LWL-Archivamt, der für das Projekt aus archivfachlicher Sicht verantwortlich ist, möchte mehr: "Lang-fristiges Ziel ist es, eine speziell auf die Quellengattung 'Urkunde‘ ausgerichtete Internetpräsenz zu schaffen, in die alle Einrichtungen, die über Urkunden aus Westfalen-Lippe verfügen, ihre Regesten einspeisen können. Zudem soll das Angebot ständig erweitert werden."

Mit über 85.000 Regesten, die nun freigeschaltet worden sind, ist hierfür der Grundstein gelegt. Die beiden LWL-Einrichtungen versprechen sich von dem Projekt, in das auch Drittmittel der Westfalen-Initiative und des Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverbandes eingeflossen sind, vielfältige Impulse für die Beschäftigung mit westfälischer Geschichte. "Heimat- und Familienforscher können besonders davon profitieren, da über eine spezielle Suche, die nicht exakt die Buchstaben, sondern deren Laut analysiert, nach Orts- und Personennamen gesucht werden kann, die von der heutigen Schreibung abweichen. Da hat es schon Aha-Erlebnisse von Testern gegeben, die nach ihren Ahnen gesucht haben", sagt Weidner.