Reisen in Fremde Welten

Das Zeitalter der Forschungsreisen


Ob die Entdeckung der Südsee oder die Erforschung Sibiriens, vor allem das 18. Und 19, Jahrhundert waren geprägt von spektakulären Forschungsreisen, deren Tagebücher sich zu wahren Bestsellern entwickelten. Bei den Artikeln zum Thema fremde Welten werden hier auch Reisen, Regionen und Aspekte berücksichtigt, die nicht immer im Fokus heutiger Publikationen stehen. Einige der hier aufgeführten Artikel finden Sie unter anderen in meinem Buch
"Kulturgeschichtliche Aspekte zur Schifffahrt des 16-19. Jahrhunderts".


Das Tongaboot
Das Tongiaki der polynesischen Seefahrer war das Schiff der pazifischen Besiedelung. Mit ihm überwanden die Polynesier Strecken von bis zu 2.000 Kilometern offener See.
Über viele Jahrhunderte hinweg segelten die Polynesier mit 10 – 20 Meter langen Doppelrumpfbooten, die aber im Einzelfall auch bis zu 30 oder 40 Meter Länge erreichen konnten, im Pazifik umher. Immerhin umfasste der „Siedlungsraum“ der besten Seefahrer der Geschichte rund 50 Millionen Quadratkilometer und die Strecken, die bei den Fahrten zurückgelegt wurden, erreichten bis zu 2.000 Kilometer.



Die Mumien der Südsee
Mumien erwartet man vor allem im alten Ägypten. Tatsächlich ist die Konservierung oder Teilkonservierung Verstorbener aber weltweit verbreitet. Neben den ägyptischen Mumien dürften wohl die ozeanischen Schrumpfköpfe am Bekanntesten sein. Immerhin werden diese nicht nur gerne in den Völkerkundemuseen dieser Welt ausgestellt, sondern haben oft auch eine enge Beziehung zum Kannibalismus. Noch bis ins 19. Jahrhundert aßen beispielsweise die Maori auf Neuseeland Teile ihrer ermordeten Gegner, um deren Kraft aufzunehmen. Und auch das Köpfe sammeln und zur Schau stellen war fester Beststandteil der Maori-Kultur.



Das sibirisch-amerikanische Tagebuch
Mit den großen Forschungs- und Entdeckungsreisen des 18. und 19. Jahrhunderts verbindet die Öffentlichkeit so klangvolle Namen wie James Cook, Charles Darwin oder Georg Forster.
Mit Carl Heinrich Mercks „sibirisch-amerikanischen Tagebuch“ erinnert der Göttinger Wallstein Verlang nun an einen Wissenschaftler, der beinahe vergessen, dennoch in die Reihe seiner berühmten Zeitgenossen gehört. In Vergessenheit geraten war Carl Heinrich Mercks vor allem, weil seine Beobachtungen während der als Billings-Sarycev-Expedition bekannt gewordenen „geheimen astronomischen und geografischen Expedition zur Erkundung Ostsibiriens und Alaskas“ bislang nicht publiziert worden waren.


Die Entstehung Ethnologischer Südseesammlungen
Die ethnologischen Sammlungen aus Polynesien waren im 18. Jahrhundert durch knallharte Tauschgeschäfte mit den indigenen Inselbewohnern zusammengetragen worden.
Wenn James Cook und seine Wissenschaftler oder die anderen Forschungsreisenden des 18. und 19. Jahrhunderts mit ihren leicht bewaffneten Forschungsschiffen in die pazifische Inselwelt eindrangen, dann waren sie dort nicht die überlegenen Europäer, die auf primitive Wilde stießen, die man mit Glasperlen oder Spiegeln zufriedenstellen und mit donnernden Kanonen beeindrucken konnte. Ohne die Bereitschaft der Bewohner des pazifischen Raumes, die europäischen Besucher zu unterstützen, hätte es in jener Zeit wohl keine Erforschung der Südsee gegeben.


Die Schiffe von Cook, Flinders & Co
Die Schiffe der Reisenden des 18. und 19. Jahrhunderts mit den nach Abenteuer klingenden Namen wie Resolution, Discovery oder Endeavour waren umgebaute Kohlefrachter.
Als sich im 18. und 19. Jahrhundert die aufgeklärten Forscher Europas aufmachten, die Welt zu erkunden, da hatte auch die Geburtsstunde der speziellen Forschungsschiffe geschlagen. Denn auch wenn die Reisen von James Cook, William Bligh oder Matthew Flinders unter Befehl der britischen Admiralität standen und die Schiffe wie Investigator, Endeavour, Resolution, Discovery, Beagle oder Bounty offiziell Kriegsschiffe waren, für den militärischen Flotteneinsatz waren diese Spezialfahrzeuge ganz sicher nicht geeignet.



Die Cook/Forster- Sammlung in Göttingen
Dass sich ausgerechnet in der kleinen Universitätsstadt Göttingen eine der bedeutendsten ethnologischen Sammlungen befindet, hat interessante historische Hintergründe.
Als am 28.08.2009 die Ausstellung „James Cook und die Entdeckung der Südsee“ in Bonn ihre Pforten öffnete, da stellten die Artefakte der Göttinger Cook/Forster- Sammlung einen wesentlichen Teil der Präsentation dar. In Göttingen selbst allerdings fristen einige Artefakte der immerhin mehr als 500 Stücke umfassenden Sammlung von Weltrang ein eher bescheidenes öffentliches Dasein als Teil der nur sonntags für zwei Stunden für das Publikum geöffneten Lehrsammlung des ethnologischen Instituts der Universität Göttingen. Der Rest schlummert im Archiv der Einrichtung.


James Cook und die Entdeckung der Südsee
Mit der Ausstellung „James Cook und die Entdeckung der Südsee" wurde 2009 in Bonn eine bislang einzigartige Darstellung zu diesem Thema präsentiert.
Immerhin mehr als 500 Exponate aus aller Welt umfasst die Ausstellung, die nicht nur als internationales Kooperationsprojekt, sondern auch von seinem inhaltlichen Ansatz her beeindruckt. Schließlich ist es erstmals gelungen, die von den Cook-Reisen mitgebrachten ethnografischen und naturhistorischen Objekte aus den verschiedensten pazifischen Kulturen wieder zusammenzuführen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts nämlich sind die heute überwiegend unersetzlichen Artefakte wie Federornamente oder Holzskulpturen in den frühen völker- und naturkundlichen Sammlungen gelandet und damit über ganz Europa verstreut worden.


Kulturelle Zeugnisse aus Neuguinea
Mit einer Sonderausstellung präsentierten die ethnologischen Sammlungen der Universität Göttingen 2009 das Leben der indigenen Bevölkerung Neuguineas vor mehr als 100 Jahren.
Ahnenverehrung, Geisterwesen, Initiationsrituale, Masken, Trommeln und sogenannte Männerhäuser, das verbindet man nahezu unwillkürlich mit den Inseln der Südsee. Für den unbedarften europäischen Betrachter ethnologischer Sammlungen eine exotische, bunte Welt aus Aberglaube, Tradition und Tabus.


Besiedelung Ozeaniens und des pazifischen Raumes
Die Kulturen Ozeaniens und des pazifischen Raumes haben eine mehr als 40.000- jährige Geschichte. Dabei spielt die Seefahrt eine Rolle, wie nirgendwo sonst auf der Welt.
Nachdem vor rund 60.000 Jahren aufgrund des gesunkenen Meeresspiegels die indonesischen Inseln einerseits und Australien und Neuguinea andererseits miteinander verbundene Landmassen bildeten, besiedelten, aus dem heutigen China kommend die ersten Menschen Indonesien, Australien und Neuguinea. Das war vor etwa 40.000 Jahren.


Die Weltumsegelung der Novara
Forschung, Diplomatie, Handelskontakte und seemännische Ausbildung waren die Aufgaben der österreichischen Novara-Expedition, bei der Weltumsegelung 1857 – 1859. Das Buch beschreibt eine vielschichtige Mission in politisch unruhigen und komplizierten Zeiten.
Kompliziert waren die Verhältnisse der Zeit, in die die Aufsehen erregende wissenschaftliche Expedition der österreichischen Fregatte Novara fiel, nicht nur in Österreich. Die Welt befand sich im Umbruch. Die industrielle Revolution und damit verbunden die Veränderungen in den gesellschaftlichen, politischen Macht- und internationalen Kräfteverhältnissen, war weltweit in vollem Gange.



Begleitbuch zur Ausstellung “Südsee-Oasen”, eine Rezension
„Leben und Überleben im Westpazifik“ ist der treffende Untertitel des Buches über die faszinierende Welt Mikronesiens, über traditionelle Strukturen und die Bewältigung der grenzwertigen Umweltbedingungen dieser Region.
Auch wenn sich die traditionellen gesellschaftlichen Strukturen Mikronesiens längst in Auflösung befinden, ist es der Herausgeberin des Buches „Südsee-Oasen“ und Fachreferentin für Ozeanien am Linden-Museum Stuttgart, Ingrid Heermann, gelungen, den komplexen Zusammenhang zwischen den vielfältig ritualisierten Gesellschaftskonventionen der Vergangenheit und den unterschiedlichen Lebensbedingungen im Naturraum der westpazifischen Inselwelt zu vermitteln.




Die Deutsche Atlantische Expedition
Eigentlich hätte es eine Deutsche Pazifische Expedition werden sollen, mit der nach dem ersten Weltkrieg unter anderem das Selbstbewusstsein Deutschlands gestärkt werden sollte. Reinhard Hohheisel-Huxmann, vom Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven, beschreibt in seinem Buch „Die Deutsche Atlantische Expedition 1925 – 1927“ Vorgeschichte, Planung und Verlauf eines Meilensteins der internationalen Meeresforschung.
Als 1914 der Kiel des Auslandskanonenboots „Meteor“ gelegt wurde, da war es eindeutig für den Einsatz in den Deutschen Kolonien gedacht. Selbstverständlich gehörten zu den Aufgaben eines Auslandskanonenbootes auch Vermessungs- und andere wissenschaftliche Arbeiten in den fernen Gewässern. Dementsprechend war auch eine wissenschaftliche Ausrüstung vorgesehen.