Mythologie & Geschichte


Oft genug sind es Identitäten ganzer Nationen, die auf mehr oder weniger alten Mythologien basieren. Mythen und Mythologien unter kulturgeschichtlicher Betrachtung haben zunächst einmal etwas mit der Erklärung der Strukturen, Konventionen und Herrschaftsverhältnisse spezifischer Gesellschaften, Kulturen und der sie umgebenden natürlichen und politischen Welt zu tun. Mythen sind daher nicht irgendwelche abgehobenen, aus Unwissenheit und Ängsten heraus entwickelte Phantasiegeschichten. Mythologien erklären die Welt, rechtfertigen Politik und Macht bis hin zu Kriegen, Unterdrückung und sozialer Ausgrenzung. Sie sind mithin Ideologien - mal als staatstragende Religionen, mal als revolutionäre Philosophien.
Vor diesem Hintergrund entsteht die auf den ersten Blick sicherlich unerwartete Zusammenstellung der Beiträge dieser Seite. Da geht es natürlich auch um Fabelwesen  - also beispielsweise Drachen. Behandelt werden aber auch religiös-ideologische Manifeste – also beispielsweise die Bibel. Und nicht zuletzt findet man hier natürlich auch um die ganz realen, archäologisch belegten historischen Hintergründe mythologischer Konstrukte, wie das Beispiel „Babylon und die Götter“ zeigt.


Zu diesem Themenkomplex gibt es nicht nur zahlreiche Artikel aus meiner Feder, sondern inzwischen auch drei Bücher, die den Artikeln kurz vorangestellt werden sollen:

Drachen begleiten unsere Geschichte seit Jahrtausenden und sind untrennbar mit unserer Kultur verbunden. Warum und auf welche Weise, erkundet einer der profiliertesten deutschen Dracologen der Gegenwart in dieser kompakten und bebilderten Darstellung.  (aus dem Klappentext)
Der Autor begibt sich mit seinem Streifzug durch die Kulturgeschichte auf die Spur der lebenden Toten. Von den omnipräsenten Ahnen im vorzeitlichen „Wohnzimmer“ über wilde Trinkgelage verstorbener Fürsten in bronzezeitlichen Hügelgräbern bis(s) zum Vampirhype unserer Zeit. Dabei begegnet der Leser nicht nur den klassischen Vampiren und Wiedergängern, sondern auch reisenden Mumien oder Dr. Frankenstein und seinen modernen Erben




Mythen, Macht und Monster
Entstanden sind die einzelnen Aufsätze des Buches aus der Vortragstätigkeit des Autors zum Thema „Kulturgeschichte des Drachen“ und Buchrezensionen. Daraus erklärt sich auch die unterschiedliche Art der Aufarbeitung des Themas, die sich mal eng an einem konkreten Mythos orientiert, mal übergreifender Natur ist, mal methodische, mal politische oder formale Fragen in den Vordergrund stellt. Die Lektüre dieses Buches gibt also ein abwechslungsreiches und in seiner Gesamtheit durchaus umfassendes Bild zum Thema „Mythen, Macht und Monster“ und wartet inhaltlich mit einigen Überraschungen auf.


Und hier einige meiner Artikel und Rezensionen

Der Vampirglaube in Südosteuropa – eine Studie zum Volksglauben
Grundlegende Studien zur Genese, Bedeutung und Funktion des Vampirglaubens in Rumänien und dem Balkanraum, publiziert Peter Mario Kreuter in seinem Buch. Bereits die Einleitung des Buches aus Band 9 der Berliner Schriften zur romanischen Kultur- und Literaturgeschichte mit dem Titel „Der Vampirglaube in Südosteuropa“ verspricht Neues zum Original der heute so beliebten Romanhelden vor allem in der Jugendliteratur. Denn der Historiker und Balkanologe Peter Mario Kreuter stellt klar, dass der größte Teil der westlichen Literatur zum Thema sich im Wiederkäuen der gleichen Sekundärliteratur aus England, Frankreich, Deutschland und des USA erschöpfe. Das Material hingegen, das Ethnologen und Ethnographen in der Ursprungsregion des als Vampir bezeichneten Wiedergängers zusammengetragen haben, werde, so der Autor, „mit großer Souveränität ignoriert“.


Babylon und die Götter
Die Entwicklung städtischer Zivilisationen in Mesopotamien hatte tiefgreifende soziale und religiöse Umwälzungen zur Folge.
Während des 7. Jahrtausends v.u.Z. tauchten in den fruchtbaren Niederungen Nordmesopotamiens die ersten Bauerndörfer auf, Siedlungen, die den Übergang von der früheren Jäger- und Sammler-Kultur zu Ackerbau und Viehzucht dokumentieren. Bereits wenige Jahrhunderte später waren einfache Bewässerungssysteme entstanden, die auch eine Besiedlung im Inneren Mesopotamien zuließen.




Erscheinungsbild des Drachen
Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Drachen ist außerordentlich vielfältig und lässt sich kaum standardisieren. Es orientiert sich in erster Linie an der Tierwelt.
Der Drache ist ein aus der Tierwelt entlehntes, zusammengesetztes mythisch überhöhtes Wesen, als dessen Ursprung in der Regel die Schlange angesehen werden kann. Als Beispiele seien hier genannt: die Schlange im Paradies; die Chaosschlange, die den ägyptischen Sonnengott jede Nacht verschlingt und am Morgen wiedergebiert oder die Midgardschlange, der Urdrache des nordischen Sagenkreises.



Der Ursprung des Drachen
Die Kulturgeschichte des vermeintlichen Ungeheuers reicht bis zurück in die Steinzeit und weist auf gravierende soziokulturelle Umwälzungen hin.
Babylonische Tontafeln aus dem 2. Jahrtausend vor unserer Zeit dokumentieren einen der ersten Drachenkämpfe. Marduk, der mächtige Stadtgott, tötet seine zum Ungeheuer mutierte Mutter und schafft aus ihrem Körper eine neue Welt. Die babylonische Mythologie greift auf noch ältere sumerische Vorgänger zurück.





Der Drache von Loch Ness
Während das Ungeheuer von Loch Ness ein beliebter Touristenmagnet ist, erfährt man über die uralten Monster der britischen Inseln kaum etwas.
Seit dem 19. Jahrhundert, angeregt durch den gefestigten Glauben an Naturwissenschaft und Technik, konzentrierte man sich mit großem Eifer auf die biologische Erklärung der Existenz von legendären Wesen, zu denen natürlich auch die Drachen und andere Ungeheuer zählten. Im Rahmen dieses Prozesses der wissenschaftlichen Erklärungsversuche von Fabelwesen entwickelte sich letztendlich die Kryptozoologie. Ob mit der tatsächlichen Entdeckung von Tieren, die zur Legendenbildung in den verschiedenen Kulturen beigetragen haben, das Wesen der Drachen erfasst werden kann, darf nicht nur am Beispiel "Nessie" bezweifelt werden.



Titanen, Drachen und Gorgonen
In der griechischen Mythologie müssen sich Götter und Helden immer wieder mit Ungeheuern auseinandersetzen, deren Ursprung weit in die Vorgeschichte zurückreichen
Die griechische Mythologie ist kein einheitliches Ganzes. Das, was uns heute beispielsweise als Schwabs schönste Sagen des klassischen Altertums entgegentritt, basiert letztendlich auf einer von Hesoid im 6. Jahrhundert vor unserer Zeit entwickelten komplexen Systematik (Theogonie) unterschiedlichster kultureller und weltanschaulicher Stadien der Bevölkerung des heutigen Griechenland.



Die Götterwelt Südamerikas
Die Mythologie der Inka ist uns vor allem aus Berichten der europäischen Eroberer bekannt. Aber die Götter der Inka haben eine Jahrtausende alte Vorgeschichte.
Die nördlichen und zentralen Anden - einschließlich der Küstenregion - war die einzige Gegend Südamerikas, in der sich Stadtstaaten, König- und Kaiserreiche entwickelten. Sie hinterließen entsprechende archäologische, künstlerische und architektonische Zeugnisse, die Schlussfolgerungen über die Glaubenswelt dieser Kulturen erlauben.





Die Schöpfergottheiten Mittelamerikas
Meso- oder Mittelamerika, die Heimat der der Maya und Azteken, weist eine nahezu unüberschaubare Zahl an Göttern auf. Allein die Azteken verehrten rund 1.600 Götter.
Aus der Zeit vor der spanischen Eroberung gibt es nur wenige schriftliche Zeugnisse. 14 sogenannte Codizes der Aztekischen Epoche und gerade einmal vier der Maya-Zeit haben überlebt. Diese Codizes befassen sich hauptsächlich mit Ritualkalendern und Methoden, die Zukunft vorherzusagen, bzw. mit Mythen und Legenden der Azteken und ihrer Nachbarn aus der nachklassischen Periode. Die wichtigsten Quellen über die Mythologie der Azteken und der späten Maya sind jedoch die Handschriften aus der Zeit nach der spanischen Eroberung.


Hubert Irsigler: Die Identität Israels
Das Selbstverständnis des biblischen Israel war Inhalt einer wissenschaftlichen Vortragsreihe im Rahmen des 30. Orientalistentages 2007 in Freiburg im Breisgau.
Zugegeben, einige der Texte, die in Band 56 von Herders biblischen Studien als Zusammenfassung der Vortragsreihe zur Identität des alttestamentlichen Israel abgedruckt sind, können nur Literaturwissenschaftler lieben. Denn die Autoren des Buches sind nicht nur, wie der Herausgeber, Dr. theol. Professor Hubert Irsigler, ausgewiesene Fachleute, die Vorträge und das Buch richten sich auch in erster Linie an solche.




Sachbuch – David und Salomo
Die Königshäuser Davids und Salomos als Grundlage der jüdischen, der christlichen und der moslemischen Tradition werden in diesem Buch wissenschaftlich untersucht.
So neu und überraschend, wie die bisherigen Rezensionen des Buches „David und Salomo“ es erscheinen lassen, sind die Erkenntnisse der beiden renommierten Archäologen Israel Finkelstein und Neil A. Silbermann für Kenner der Materie nun auch wieder nicht. Und mit Sicherheit wird dieses Buch keine wirklich neuen Diskussionen in der wissenschaftlichen Welt hervorrufen. Zum einen ist die amerikanische Originalausgabe der 2009er dtv- Neuerscheinung bereits 2006 publiziert worden, zum anderen spiegelt die hervorragende Arbeit der beiden Autoren letztendlich den heutigen archäologischen state of art wider.


"Amazonen" eine Ausstellung über die geheimnisvollen Kriegerinnen
Mit „Amazonen" hat das historische Museum der Pfalz Speyer eine bemerkenswerte Sonderausstellung über die sagenhaften Kriegerinnen auf die Beine gestellt.
Der Begriff Amazonen steht noch heute für Außergewöhnliches. Amazonen: das sind nicht nur die mythologischen kriegerischen Frauen, die die männerdominierten Gesellschaften der Antike das Fürchten lehrten und für deren Zähmung die mächtigsten Halbgötter aufgeboten werden mussten. Mit der Ausstellung, die noch bis zum13. Februar 2011 im historischen Museum der Pfalz Speyer zu sehen ist, haben die Macher ebenfalls etwas Außergewöhnliches auf die Beine gestellt.
Rezension des Begleitbandes


Janina Drostel: Drache, Einhorn, Basilisk
14 fabelhafte Arten stellt die Mittelalter- und Literaturwissenschaftlerin Janina Drostel in ihrer informativen Fabeltierkunde „Drache, Einhorn, Basilisk" vor.
Wer glaubt, ein Drache sei ein Drache, ein Einhorn eben ein Einhorn und ein Basilisk einfach nur ein Basilisk, der hat sich gehörig geirrt. Seit der Antike gibt es diese erstaunlichen Fabelwesen und jede Epoche, ja sogar jede Region hat so ihre eigenen Vorstellungen über Aussehen, Herkunft und Charakter entwickelt.






Mythos und Geschichte des Pferds
Mit dem Buch “Pferde” unternimmt die Autorin Angelika Hirschberg einen kulturgeschichtlichen Rückblick auf rund 5000 Jahre der Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Damit ist “Pferde” keines der vielen Bücher, in denen der Leser über Körperbau, die richtige Pflege, korrektes Satteln und Trensen, perfekte Gangarten oder Reitschulen unterrichtet wird.
Hier erfährt man vielmehr etwas über die Pferde als Teil der menschlichen Kulturgeschichte. Und so ist es kein Zufall, dass Angelika Hirschberg im ersten Kapitel vom Ursprung des Pferdes beginnt, über Götter und Helden zu erzählen.



Der Trojanische Krieg, von Barry Strauss
In seinem Buch „Der Trojanische Krieg“ lässt Barry Strauss die Ebene von Troja wieder zum Schauplatz des von Homer besungenen archaischen Schlachtgetümmels werden. Es ist beileibe nicht das erste Buch, das sich mit der Frage beschäftigt, ob der trojanische Krieg tatsächlich stattgefunden hat.
Und Barry Strauss ist auch nicht der erste Autor, der am Ende seiner Ausführungen feststellen muss, dass Alles dafür spricht, dass die mykenischen Griechen Troja erobert und zerstört hatten, dass es aber eben keine endgültigen Beweise für den Wahrheitsgehalt der homerischen Dichtung gibt. Aber Strauss versucht gar nicht erst, die weitgehend bekannten archäologischen Erkenntnisse zu diesem Thema noch einmal aufzulisten.