Herne (lwl). Es ist eines der spektakulärsten archäologischen Projekte der vergangenen Jahre: Die umfangreichen Grabungsarbeiten in Zusammenhang mit dem Kölner U-Bahn-Bau. Die neuesten Fundstücke aus den Kölner Grabungen sind derzeit in der Ausstellung "Fundgeschichten" im LWL-Museum in Herne zu sehen.Zirka vier bis sieben Meter unter dem heutigen Kölner Bodenniveau liegt die 2000-jährige Stadtgeschichte der Metropole, die im Rahmen des derzeit größten städtebaulichen Projekts Deutschlands Stück für Stück zutage gefördert wird.
Das Fundspektrum reicht von der jüngsten Vergangenheit bis in die Römerzeit. In der Ausstellung in Herne sind vor allem Funde aus dem ehemaligen römischen Hafen zu sehen, der im Bereich der heutigen Kölner Altstadt lag. Nicht nur Alltagsgegenstände wie Geschirr und andere Gebrauchskeramik fand sich in dem im Laufe der Zeit verlandeten Hafengrund, sondern auch Kurioses: So entdeckten die Archäologen den Schädel eines Wollhaar-Nashorns, das wohl ein Metzger in römischer Zeit aufgrund seiner ambossähnlichen Form als Hackbrett benutzte, wie zahlreiche Einkerbungen in dem Knochen nahe legen. Die Überreste von Amphoren mit Originalbeschriftung zeigen, wie gut die Römer zu leben wussten und wie ausgeprägt der Fernhandel in römischer Zeit bereits war: kostbare Würzsaucen und Öle aus fernen Ländern müssen in riesigen Mengen in die Colonia Claudia Ara Agrippinensis gebracht worden sein.
Zu sehen sind diese Fundstücke noch bis zum 20.11. in der Ausstellung "Fundgeschichten. über neueste Entdeckungen von Archäologen in NRW im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Herne. Das Museum zeigt die spektakulärsten Archäologie-Funde lder vergangenen fünf Jahre aus dem Boden Nordrhein-Westfalens. Über 1.000 Objekte vom Urzeittier bis zum Bomber des Zweiten Weltkrieges zeigen die archäologischen "Bodenschätze" der Region.Weitere Informationen
Oben: Die massiv gegossene Bronzestatuette des musizierenden Zwergs mit Doppelflöte wurde im Gebiet des ehemaligen römischen Hafens gefunden. Foto: RGM/RBA (Römisch-Germanisches Museums der Stadt Köln/Rheinisches Bildarchiv, Köln)
Mitte: Aufgrund seiner Form und Stabilität als Hackbrett verwendet: Der Schädel eines Wollhaar-Nashorns. Foto: LWL/Christian Howe
Unten: Zeugen vom reichen mediterranen Warenangebot: feine Pinselaufschriften wie auf dieser Amphore sind noch auf zahlreichen Behältnissen zu erkennen und verraten mehr über den einstigen Inhalt. Foto: U. Ehmig
Weitere Posts und Artikel:
Rezension des Begleitbandes
Die Fundgeschichte des Lancasterbombers
Die Fundgeschichte der keltischen Münze
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen